Tibet China: Wirtschaft

Die Wirtschaftsentwicklung in Tibet, dem Dach der Welt, ist auch heute noch wenig fortgeschritten. Einer der Gründe ist sicher die schlechte Zugänglichkeit der Region, die inmitten einer der größten und höchsten Bergketten weltweit liegt.

Um die Erreichbarkeit Tibets zu erhöhen, wurde im Jahr 2006 eine erste Eisenbahnlinie fertiggestellt, die bis in die tibetische Hauptstadt Lhasa reicht. Mit einer Reisezeit von rund 2 Tagen zwischen Peking und Lhasa wurde so eine direkte Anbindung des Wirtschaftsraums Tibet an das übrige China erreicht. Die tibetische Eisenbahn ist jedoch auf teilweise unsicherem Gebiet gebaut, das regelmäßig von Erdbeben getroffen wird. Außerdem sind Teilstrecken der Bahn in Permafrostböden verankert. Ein Auftauen dieser Böden würde die Bahnstrecke nach Tibet vermutlich massiv schädigen.

Wirtschaftsförderung in Tibet

Die Regierung Chinas fördert im Autonomen Gebiet Tibet zurzeit unterschiedliche Bereiche der tibetischen Wirtschaft. Dies sind die Bereiche Tourismus, tibetische Medizin und Pharmakologie, Hochland-Bio-Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung sowie Verarbeitung von Agrar- und Viehzuchtprodukten und das regionale Handwerk, den Bergbau, die Baustoffindustrie und der Dienstleistungssektor.

Nach Angaben der chinesischen Regierung wurde die Wirtschaftsförderung im Tibet seit Beginn der 80er Jahre weiter erhöht. Die wirtschaftlichen Hilfen der chinesischen Zentralregierung an das Autonome Gebiet Tibet belaufen sich den Angaben zufolge auf jährlich durchschnittlich eine Milliarde RMB (100 Millionen EUR).

Desweiteren werden Fachkräfte aus anderen Provinzen zur Weiterbildung tibetischer Arbeitnehmer nach Tibet entsandt, um dem herrschenden Fachkräftemangel in Tibet entgegenzuwirken. Die wirtschaftliche Unterstützung des chinesischen Staates an Tibet, in Form von direkten finanziellen Beihilfen sowie von Investitionen in den Infrastrukturufbau und in Schlüsselindustrien, in den vergangenen 40 Jahren belaufen sich, staatlichen chinesischen Angaben zufolge, auf insgesamt rund 35 Milliarden RMB (3,5 Milliarden EUR).

Wirtschaftsentwicklung des Tibet

Im Tibet war die Wirtschaft lange Zeit sehr rückständig und auch heute wird sie durch die geologischen Gegebenheite stark behindert. Der Verkehr in Tibet ist durch schwer begehbare und gefährliche Wege behindert. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten gab es in Tibet keinerlei Anfänge einer mondernen Industrie und nur wenig Handel. Der wirtschaftliche Schwerpunkt in Tibet lag im Agrarbereich, also der Viehzucht und dem Ackerbau.

Mit dem Einmarsch der Roten Armee im Tibet brach auch für die wirtschaftliche Entwicklung des Tibet eine neue Zait an. Die Wirtschaft im Tibet erhilt einen weiteren Entwicklungsschub mit den Reformen und der Öffnung Chinas unter Deng Xiaoping in den 80er Jahren. Erste moderne Industriebetriebe und bessere Verkehrsverbindungen zwischen den Städten des Tibet und anderen Provinzen Chinas wurden gebaut. Die Agrarwirtschaft modernisierte sich ebenso wie das Handwerk.

Im Jahr 1994 erreichte das Bruttoinlandsprodukt des Tibet einen Umfang von rund 4 Mio. RMB (400.000 EUR), was jedoch bereits einem Wirtschaftswachstum im Tibet zum Vorjahr von rund 8,6 Prozent entsprach. Davon entfielen auf den Ackerbau 250.000 EUR. Die Investitionen in festes Anlagevermögen der staatlichen Gesellschaften erreichten 200.000 EUR. Es waren Investitionen vor allem in den Wirtschaftsbereichen Verkehr, Energie, Kommunikation, Bergbau und der Baustoffindustrie. Der gesamte Einzelhandelsumsatz erreichte 250.000 EUR und damit 27,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wirtschaftspolitik im Tibet

Seit den 80er Jahren haben auch die Bauern im Tibet wieder die Möglichkeit auf langfristige Bodenbenutzung, eigene Tierherden und selbständiges Wirtschaften, was während des Mao-Terrors noch verboten war. Die Bauern und Hirten im Tibet brauchen heute keine Landwirtschaftsabgabe oder Viehzuchtsteuer zu entrichten. Ebenso sind kleine Wirtschaftsbetriebe und Einzelgewerbetreibende im Tibet, die Artikel des täglichen Bedarfs herstellen und verkaufen, von der Industriesteuer und Handelssteuer befreit. Wenn Bauern im Tibet heute Ödland urbar machen, so erhalten sie außerdem das zeitlich unbegrenzte Nutzungsrecht für diese Böden, und können dieses Benutzungsrecht auch vererben, was in anderen Teilen Chinas in der Regel nicht möglich ist.

Wirtschaftsprojekte in den Bereichen Energieversorgung, Verkehrsausbau und Kommunikation im Tibet, sowie in anderen Schlüsselbereichen werden vom chinesischen Stast zum Teil besonders geförder. Kritiker sage, dies geschehe vor allem mit der Absicht, den Einfluss Chinas im Tibet zu festigen. Zielvorgane der Wirtschaftsentwicklung aus dem Jahre 1994 legte das Zentralkomitee der KP Chinas damals wie folgt fest: Der Bruttoinlandsprodukt des Tibet soll um einen jährlichen Zuwachs von 10% im Jahr 2000 bei sieben Milliarden RMB liegen; die installierte Leistung der Kraftwerke soll auf 400.000 kW steigen; in jedem Kreis soll es eine Mittelschule und in jedem Dorf eine Grundschule geben und damit sollen 80 Prozent der schulpflichtigen Kinder die Grundschule besuchen können.

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